rst die Gala, dann die Musik: Fünf Tage nach dem Festabend spielte der Norddörfer Musikverein im Saal am Kliff sein Jubiläumskonzert. Zwei Stunden, ein gut gefüllter Saal und Zuschauer, die eigentlich nur spazieren gehen wollten.
„Anfangs habe ich noch nach Gefühl gespielt“, sagt Scan Maron. Am Donnerstagabend passte der Satz gut ins Programm, denn auf den Notenpulten lag auch Musik aus „Flashdance“, und der bekannteste Song dieses Soundtracks heißt „What a Feeling“. Mit Gefühl allein kommt Maron inzwischen trotzdem nicht mehr weit. „Mit 70 Titeln plus den eigenen aus der Band ist man irgendwann auch voll. Da sind Noten schon eine große Hilfe.“
Mit der Band meint er Mungo Park. Die Sylter Gruppe wurde 1996 gegründet, gilt als älteste Band der Insel und beschreibt ihren Stil als anarcho-popig und deutschrockig, mit Vorbildern wie Nina Hagen, Frank Zappa und den Ramones. Im Norddörfer Musikverein gelten für den Schlagzeuger andere Regeln. Die größte Herausforderung sei das Leisespielen, erzählt Maron, das sei man als Rocker nicht unbedingt gewohnt. Die Ramones sind für ihre Pianissimi eher nicht bekannt.
Zuschauer in der Tür
Der Saal am Kliff war gut gefüllt. Die Musik lockte Passanten von der Strandstraße herein, manche blieben in den Türen stehen und schauten staunend in den Raum.
Auf dem Programm standen unter anderem „Das Phantom der Oper“, eine eigene Interpretation des Flashdance-Soundtracks und „My Fair Lady“. Das Phantom lief ab 1990 elf Jahre lang in der Hamburger Neuen Flora. Diesmal sparte man sich die Fahrt über den Damm. „My Fair Lady“ kennt das deutsche Publikum seit der Erstaufführung 1961 in Berlin, vor allem wegen eines Zungenbrechers über Spaniens Blüten. Nach rund zwei Stunden war Schluss.
Zwischen den Stücken machte der Verein charmant Werbung in eigener Sache. Er erklärte, wann geprobt wird, und lud alle ein, die mitspielen möchten. Laut Vereinsseite spielen derzeit 18 Musikerinnen und Musiker zwischen 16 und 72 Jahren im Orchester. Um Nachwuchs kümmert sich der Verein seit 2019 auch an der offenen Ganztagsschule Norddörfer. Gemeinsam mit der Gemeinde Wenningstedt wurden dafür 13 Kornette und 3 Posaunen angeschafft.
160 Gäste, eine Torte und Sirtaki
Offiziell gefeiert wurde schon am 5. September, ebenfalls im Saal am Kliff. Zur Jubiläumsgala kamen rund 160 geladene Gäste, darunter Kreispräsident Frank Zahel, die Bürgermeister Steffi Böhm aus Kampen und Kai Müller aus Wenningstedt, Bürgervorsteher Andreas Dobrzinski, Kay Prieß vom Musikerverband Schleswig-Holstein und mehrere Wehrführer.
Moderatorin Imke Wein achtete laut Verein „charmant aber bestimmt“ auf den Zeitplan. Nicola Katz vom Westerländer Musikverein sprach über die gemeinsame Geschichte der beiden Orchester, die Westerländer hatten die Jubiläumstorte dabei. Später wurde getanzt, zu House, Rock und Sirtaki. Die Torte kam aus Westerland, der Sirtaki von etwas weiter her.
Älter als der Hindenburgdamm
Streng genommen ist der Verein älter als hundert Jahre. Er begann 1896 als Feuerwehrmusikzug und wurde 1926 als Amateurblasorchester für Wenningstedt, Braderup und Kampen weitergeführt. Ab diesem Jahr zählt das Jubiläum. Als das Orchester 1926 antrat, fuhr übrigens noch kein Zug nach Sylt. Der Hindenburgdamm wurde erst im Juni 1927 eröffnet. Die Nähe zur Feuerwehr ist bis heute geblieben.
Die nächsten Termine
Im November spielt der Musikverein beim Laternelaufen in Hörnum (11. November) und Wenningstedt (14. November) sowie am Volkstrauertag in Wenningstedt und Kampen (15. November). Das nächste Konzert folgt am 10. Dezember in der Friesenkapelle. Wie viele Titel bis dahin dazukommen, wird Scan Maron dann in seinen Noten nachlesen können.
Quellen: Eigene Beobachtung beim Konzert am 10. September 2026 · Gespräch mit Scan Maron · nmvsylt.de · NMV: Jubiläumsgala 2026 · NMV: Seit 1896 · NMV: Termine · Sylt1: Sylter Bands und Friends in Wenningstedt
