Hans Wilhelm Hansen überreicht Peter Schnittgard die Urkunde zum Ehrenvorsitzenden

Die 135. Jahreshauptversammlung des größten Sylter Sportvereins fand am vergangenen Donnerstag statt

Westerland/Sylt. Dass ein Verein auch nach 135 Jahren noch von einem regen und gesunden Vereinsleben geprägt sein kann, bewies die jüngste Jahreshauptversammlung des TSV Westerland, zu der Hans Wilhelm Hansen als erster Vorsitzender die rund 30 Mitglieder und Gäste am Donnerstag, 26. April begrüßte. Dieses Vereinsleben zu erhalten, stehe im Vordergrund, betonte auch der stellvertretende Bürgermeister Carsten Kerkamm in seinen Grußworten: „Damit den Vereinen der Nachwuchs nicht ausgeht, müssen wir gerade den Jugendlichen kulturelle Angebote schaffen. Wir können froh sein, dass diese Angebote beim TSV Westerland geschaffen werden. Diese nachhaltig zu unterstützen, ist Aufgabe der Gemeinde.“ Dennoch sind auch personelle Verluste durch den Wegzug von der Insel nicht immer vermeidbar: So wurde Wolfgang Enkelmann an diesem Abend ehrenvoll verabschiedet, der sich als Spartenleiter über viele Jahre um den Karatesport im Verein kümmerte. Seine Nachfolge als Spartenleiterin tritt Anja Richter an.

 

Besondere Ehre wurde Peter Schnittgard zuteil, der bis zur Übergabe des Staffelstabes an Hans Wilhelm Hansen im vergangenen Jahr den Vorsitz des Vereines führte und an diesem Abend zum Ehrenvorsitzenden gewählt wurde. „Eigentlich wollten wir ihn ja schon im vergangenen Jahr zum Ehrenvorsitzenden ernennen“, erinnert sich Hansen, „Es war seinem eigenen Einwand zu verdanken, dass wir die Wahl verschoben haben – sie stand damals nicht auf der Tagesordnung.“ Dem Protokoll der Vorjahressitzung ist aber noch heute der inoffiziell beschlossene Hinweis zu entnehmen, er solle sich bereits im laufenden Jahr so fühlen, als sei er Ehrenvorsitzender. Nach einem Jahr Pause steht ihm nach der einstimmigen Wahl nun wieder Sitz und Stimme im Vereinsvorstand zu. „Nicht lange reden, sondern machen, war immer unsere Devise“, erinnert sich Schnittgard an seine Zeit als Vorsitzender, „Mit Beharrlichkeit und Akribie haben wir uns immer darum gekümmert, den Menschen ihre Freizeit leichter zu machen – auch wenn unsere eigene Freizeit manchmal darunter gelitten hat.“ Diese Arbeit habe sich in seinen Augen immer bezahlt gemacht, so der Ehrenvorsitzende weiter, „Weil der Verein mit hochprofessionellen Mitgliedern aktiv an sich gearbeitet hat und dadurch zum gesellschaftspolitischen Mittelpunkt des Lebens wurde.“ Als langjähriger Freund richtete Eberhard Eberle anschließend noch einmal das Wort an Peter Schnittgard: „Danke für dein bereits 72 Jahre andauerndes, ehrenamtliches Engagement im TSV Westerland. In dieser Zeit hast Du nicht nur die Handballsparte mit ins Leben gerufen, sondern sie über 40 Jahre auch als Spartenleiter begleitet. Dein Vorgänger im Vereinsvorsitz, Karl Buchloh, war erst bereit seinen Platz zu räumen, als er in Dir einen geeigneten Nachfolger für das Amt als ersten Vorsitzenden gefunden hatte – dieses Amt hast Du bis 2017 ehrenvoll vertreten.“

 

Eine weitere Ehrung kam an diesem Abend Friedrich Lüpkes zu, der sich seit 1988 als Sportabzeichenbeauftragter im TSV Westerland verdient macht und dafür zum Ehrenmitglied des TSV Westerland ernannt wurde. Zu Recht: In den vergangenen 30 Jahren hat er rund 7500 Sportabzeichen abgenommen. „Jedes Jahr vor Saisonbeginn macht er das Sylt Stadion flott für die Leichtathletik- und Sportabzeichenabnahme“, ergänzte Vorsitzender Hans Wilhelm Hansen, „Zudem ist er Mitinitiator des jährlichen Run ums Rantumbecken und des Silvesterlaufes, nicht zuletzt ist er seit 1988 unser Schriftführer.“

 

Dass in einem so großen Verein wie dem TSV Westerland mit seinen derzeit 1874 Mitgliedern jede Menge stattfindet, beweist nicht zuletzt das 34 Seiten umfassende Berichtsheft, in dem die Tätigkeiten des Vorstandes und der Spartenleiter zusammengefasst wurden und der in Kürze auf der Internetseite des TSV allen Interessierten zugänglich gemacht werden soll. „Für mich persönlich war es eine Freude“, begann Hansen seinen ersten Bericht als Vorsitzender, „Anfang Juni vergangenen Jahres 17 Turnerinnen zu dem nur alle vier Jahre stattfindenden Deutschen Turnfest nach Berlin zu verabschieden. Ein weiteres erfreuliches Ereignis war die Verleihung des bronzenen Sterns im Rahmen „Sterne des Sports“ der Sylter Bank.“ Der TSV Westerland sei in der glücklichen Lage, sowohl im Ehrenamt als auch im Hauptamt gut aufgestellt zu sein: „Mein besonderer Dank gilt den hauptamtlichen TSV-Mitarbeitern Stefan Reimers, Dieter Kuhlmann und Torsten Lickfers, außerdem allen ehrenamtlich engagierten Mitgliedern und den Sponsoren des Vereins: Der Sylter Bank, der EVS und dem ISTS.“, so Hansen.

Im Hinblick auf die turnusmäßigen Wahlen bleibt beim TSV Westerland alles, wie es war: Christopher Scharf als stellvertretender Vorsitzender und Referent für Rechtsfragen, Friedrich Lüpkes als Pressereferent, Helga Rey als Referentin für das Rechnungs- und Personalwesen, Günther Scharf als Referent für das Versicherungswesen und Maike Person sowie Siegrid Rübsam als Kassenprüferinnen wurden allesamt einstimmig in ihren Ämtern bestätigt.

 

„Ehrenamt ist ein Geschenk für die Menschen.“  

Peter und Gisela Schnittgard im Interview zur Ernennung Peter Schnittgards zum Ehrenvorsitzenden des TSV Westerland.


Herzlichen Glückwunsch, Herr Schnittgard, zur Wahl zum Ehrenvorsitzenden des TSV Westerland. Nachdem die Jahreshauptversammlung Sie bereits im vergangenen Jahr in das ehrenvolle Amt erheben wollte, kam die heutige Wahl für Sie ja nicht mehr überraschend, oder?

Peter Schnittgard: Sie kam nicht überraschend, aber es ist schön, dass sie kam.

 

Für 72 Jahre ehrenamtliches Engagement kam sie ja mehr als berechtigt. Welche Bilanz ziehen Sie aus dieser langen Zeit?

Peter Schnittgard: Die Frage ist nicht ganz einfach zu beantworten. Wer ein Ehrenamt ausübt, muss davon ausgehen, dass es zwar Spaß macht, aber auch sehr viel Arbeit damit verbunden ist. Daher stellt sich mir die Frage, wofür ich Bilanz ziehen soll – für mich persönlich, oder für die Aufgaben, die ich in der Zeit übernommen habe.

 

Vielleicht fangen wir mit den Aufgaben an. Allein 33 Jahre lang waren Sie Vorsitzender des TSV.

Peter Schnittgard: Auch in dieser Zeit habe ich ja nicht nur Vorstandsarbeit gemacht, sondern war auch selbst sportlich aktiv. Natürlich überwiegend im Handball, aber auch in der Leichtathletik. Ich habe zu der Zeit einen Sportverein übernommen, der damals schon eine ganz wichtige Funktion in der Gemeinde ausübte. Bis heute haben wir uns stark erweitert und beispielsweise den ersten hauptamtlichen Sportlehrer eingestellt. Das war in den Jahren davor auch mit den Ehrenamtlern schon ein toll funktionierender Sportverein, aber unsere hauptamtlichen Mitarbeiter haben die notwendige Professionalität in den Verein gebracht. Darum haben wir 1984 aus der damals noch nebenamtlich laufenden Geschäftsstelle auch eine hauptamtliche gemacht, weil bestimmte Unterstützungsanträge ehrenamtlich gar nicht abgewickelt werden konnten.

 

Viele Trainer und Spartenleiter arbeiten nach wie vor ehrenamtlich. Wie kann man trotzdem die notwendige Professionalität sicherstellen?

Peter Schnittgard: Durch Weiterbildung der ehrenamtlich engagierten Mitglieder. Übungsleiter müssen sich beispielsweise in Erster Hilfe auskennen, und ein Verein braucht auch Schiedsrichter und Kampfrichter, die ausgebildet werden müssen. Viele unserer ehrenamtlichen Übungsleiter sind beispielsweise zur Ausbildung nach Malente gereist. Das dortige Sport- und Bildungszentrum ist zentrale Ausbildungsstätte des Landessportvereines.

 

Stichwort Reise: Ist die Lage auf einer Insel Sylt auch für einen Sportverein spürbar, der sich ja regelmäßig auf Reise zu anderen Austragungsstätten begeben muss?

Peter Schnittgard: Selbstverständlich. Wir sind ja fast der nördlichste Sportverein des Landes und zudem durch den Hindenburgdamm vom Festland getrennt. Das bedeutet hohe Fahrtkosten und lange Fahrten: Punktspiele beispielsweise, die zehn, elf Fahrtstunden entfernt liegen. Dazu müssen die Kinder- und Jugendmannschaften auch begleitet werden. Das alles muss gemanagt werden, und zwar auf ehrenamtlicher Basis – das gewährleisten zu können, ist ein Geschenk für die Menschen.

 

Lässt sich dieses Geschenk in Zahlen fassen?

Peter Schnittgard: Der Staat könnte gar nicht bezahlen, was in den Sportvereinen geleistet wird: Der TSV hat eine Wertschöpfung von ungefähr 300 000 Euro im Jahr. Allein das aktive Sportprogramm mit derzeit 16 Sportarten erzeugt Fahrtkosten in Höhe von 70 000 Euro im Jahr. Diese Kosten müssen durch den Mitgliedsbeitrag gedeckt werden. Die älteren Menschen im Verein, die nicht mehr so oft auf Reisen gehen, finanzieren dabei die Fahrten der jungen Mitglieder mit. Während die jungen Leute die Rente der Älteren mitfinanzieren, ist es in den Sportvereinen also genau umgekehrt.

 

Dann braucht der Sportverein also nicht nur Nachwuchs, sondern auch ältere Mitglieder.

Peter Schnittgard: Richtig. Und Sponsoren, die uns unterstützen und uns die Chance geben, einen Sportverein in dieser Größenordnung mit rund 1800 Mitgliedern, davon mehr als die Hälfte im Alter unter 26 Jahren, überhaupt möglich zu machen. Das alles geht nur gut, wenn der Vorstand in der Lage ist, die Kontakte zu öffentlichen Institutionen wie auch zu den Unternehmen zu pflegen.

 

Das alles klingt nach sehr viel Arbeit für den Vereinsvorstand. Um einmal auf die persönliche Bilanz zu kommen: Leidet nicht das Familienleben unter der ehrenamtlichen Tätigkeit?

Peter Schnittgard: Ich hatte und habe das Glück, mit einer Frau gesegnet zu sein, die meine Tätigkeit nicht nur toleriert, sondern noch unterstützt und damit erst möglich gemacht hat. Das ist ein Geschenk schlechthin: Nicht nur für mich, der diese Tätigkeit mit Leidenschaft ausgeübt hat, sondern auch für diejenigen, die davon profitieren. Meine Frau hat beispielsweise von 1977 bis 2017 als Zeugwartin nebenbei die Trikots der Handball-Männermannschaft gewaschen.

 

Einige Mitglieder haben schon gerechnet: Insgesamt rund 15 000 Trikots wurden im Laufe der 40 Jahre in der Waschmaschine der Familie Schnittgard herumgewirbelt. Frau Schnittgard, haben Sie den TSV als Einschnitt in das Familienleben erlebt?

Gisela Schnittgard: Wir lernten uns kennen, als mein Mann gerade erst mit dem Handball begonnen hat. Da bin ich schon jedes Wochenende mitgefahren und habe das von vornherein akzeptiert. Das gehörte immer zu unserem Leben. Das ist heute noch So: Bei den meisten Handballspielen sitze ich noch immer auf der Tribüne, auch wenn ich bis heute nicht viel Ahnung von dem Sport habe.

Peter Schnittgard: Man kann sagen, wir führen eine Sportlerehe, die sich bis heute fortsetzt – auch bei den Kindern und Enkeln.

 

Bis heute heißt, Sie sind noch heute im TSV aktiv?

Peter Schnittgard: Zeitweise schon. Ich mache zurzeit die Urlaubsvertretung für Torsten Lickfers mit den Hortkindern. Die waren recht überrascht, wie schnell ich für mein Alter noch bin.

 

Als Ehrenmitglied sind Sie ja nach einem Jahr Pause im Vorstand auch wieder stimmberechtigt. Werden Sie auch in der Vorstandsarbeit weiter aktiv bleiben und von Ihrem Stimmrecht Gebrauch machen?

Peter Schnittgard: Von meinem Stimmrecht werde ich nur sporadisch Gebrauch machen. Ich bin kein Besserwisser und habe zu meiner Zeit nichts besser gemacht als mein Nachfolger Hans Wilhelm Hansen heute. Ehrenmitglied oder nicht – Der Vorstand braucht keinen Oberaufseher. Aber ich höre gerne zu und werde dort helfen, wo ich kann.

 

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