Der Plan steht: Wenningstedt-Braderup schnürt die Wanderschuhe
Der Plan steht: Wenningstedt-Braderup schnürt die Wanderschuhe

Manchmal ist eine Idee stärker als das Amt, das sie später ausführt. Bei Kai Müller war die Vision für Wenningstedt-Braderup schon da, lange bevor er die Amtskette des Bürgermeisters trug. Das ist der entscheidende Punkt: Die Idee wurde nicht in einer Amtsstube geboren – er hat sie mitgebracht, gepflegt und, als die Zeit reif war, entschlossen auf die Straße gebracht. Ohne Aufschub, ohne Ausreden.

Was nun vorliegt, trägt den etwas sperrigen Namen „Integriertes Ortsentwicklungskonzept“ – kurz IOEK. Doch hinter diesem bürokratischen Akronym verbirgt sich eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit: Wie wollen wir hier auf Sylt in zehn oder fünfzehn Jahren eigentlich leben?

Die Antworten stehen jetzt schwarz auf weiß fest und sie klingen alles andere als nach einem unverbindlichen Wunschzettel. Es geht um die Kernthemen der Insel: Bezahlbarer Wohnraum, ein Tourismus, der die Identität des Ortes nicht verschlingt, Plätze, die zum Verweilen einladen, und ein Osetal, das endlich wieder frei atmen darf. Sogar ein neuer Schulcampus steht auf dem Plan.

Das Besondere an diesem Konzept ist jedoch nicht nur der Inhalt, sondern die Umsetzung. Es ist kein Plan für die Schublade, sondern ein Plan mit Gesichtern. 17 Projektpaten aus Politik, Verwaltung und der Bürgerschaft übernehmen jeweils die Verantwortung für einen Teilbereich. Das sind Menschen, die ansprechbar sind, die für ihre Projekte gerade stehen und die am Ende liefern müssen. Das ist Demokratie, die nicht müde wirkt, sondern hellwach ist.

Ab Juli bekommt dieser Plan sogar eine eigene Adresse: Das ehemalige Architekturbüro Schwemer wird zur zentralen Anlaufstelle und Projektkoordination.

Kai Müller verglich das IOEK jüngst mit einer Landkarte: „Dieses Werk ist nicht die Landschaft selbst – es ist die Landkarte.“ Ein treffendes Bild. Doch eine Karte entfaltet ihren Wert erst, wenn man losläuft. Und Wenningstedt ist bereits unterwegs.

Für andere Gemeinden auf der Insel wäre es keine Schande, genau hinzuschauen, was hier gerade passiert. Das Prinzip der geteilten Verantwortung und des echten Einbezugs der Bürger funktioniert – weil man in Wenningstedt-Braderup den Mut hatte, nicht nur recht zu haben, sondern einfach anzufangen.

Sie sind losgelaufen. Und die Insel schaut gespannt zu.