Eltern, Kleber und die Wurst am Ende des Tunnels auf Sylt
Es ist diese eine Zeit im Jahr, in der der Bastelkleber an den Fingern der Eltern noch nicht ganz getrocknet ist, aber der Terminplan keine Gnade kennt. Der Dienstagabend in Westerland stand ganz im Zeichen des heiligen Martin – oder zumindest im Zeichen kleiner, leuchtender Kunstwerke, die manchmal verdächtig nach elterlicher Nachtschicht aussahen. Die SYLT KITA rief zum großen Laternenlauf, und sie kamen alle: Mamas, Papas, Omas und natürlich die Hauptdarsteller, die den Rathausplatz in ein wuseliges Lichtermeer verwandelten.
Der Startschuss fiel am Rathaus, einem Ort, an dem sonst eher trockene Akten gewälzt werden. Doch an diesem Abend regierte das bunte Chaos. Der Zug setzte sich in Bewegung, eine leuchtende Schlange aus Pappmaché-Monstern, Sternen und abstrakter Kunst, die sich ihren Weg durch die „Neue Mitte“ bahnte. Musikalisch war es – sagen wir – ambitioniert. Während die erste Reihe textsicher „Rabimmel, Rabammel“ schmetterte, war man weiter hinten noch bei „Ich geh mit meiner Laterne“. Aber genau diese kakophonische Harmonie macht den Charme eines solchen Abends aus. Es ist der Sound der Kindheit, gemischt mit den leisen Ermahnungen der Väter: „Halt den Stab höher, sonst brennt der Mond!“
Das Ziel der leuchtenden Prozession war die Nicolaischule. Und sind wir ehrlich: So schön das Singen auch ist, der wahre Antrieb für die kleinen Beine (und die durchgefrorenen großen) war die Aussicht auf das goldene Finale. Würstchen im Brötchen und Kinderpunsch sind die Währung, die zählt. Katja Meyer von der Kita zeigte sich begeistert von den strahlenden Augen und der Atmosphäre. Und wenn man in die gesättigten und glücklichen Gesichter am Ende blickte, wusste man: Der Kampf mit dem Bastelkleber hat sich wieder einmal gelohnt.

