Wer auf der B5 Richtung Norden rollt, hat meist nur ein Ziel im Kopf: den Autozug, die Insel, den Sylt-Spirit. Doch wer in Risum-Lindholm den Fuß nicht vom Gas nimmt, begeht einen kulinarischen Anfängerfehler. Hier steht es nämlich, das „Eichhorn’s“ – von den Besitzern Mike und Edyta Eichhorn liebevoll als das „letzte Hotel vor Sylt“ (oder auch: vor den Strandpiraten) betitelt. Und beim 39. Schleswig-Holstein Gourmet Festival wurde klar: Dieses Haus ist kein Boxenstopp, es ist ein Ziel.
Nordfriesische Gelassenheit trifft Berliner Zwei-Sterne-Magie
Man stelle sich vor: Ein ländliches Schmuckstück mit 32 Zimmern, ein Team, das nordfriesische Gastfreundschaft nicht nur buchstabiert, sondern lebt, und mittendrin ein Berliner Sternekoch, der zeigt, dass wahre Größe keine Allüren braucht. Michael Kempf, der normalerweise im Berliner „Facil“ zwei Sterne zum Leuchten bringt, stand hier am Herd.
Das Besondere? In der Küche wurde nicht geschrien, sondern gelacht. Kempf arbeitete auf Augenhöhe mit dem Team vom Eichhorn’s – entspannt, offen und mit einer Präzision, die man schmecken konnte. Wer dachte, Jakobsmuscheln vom norwegischen Taucher-Gott Roderik Sloan und griechischer Bergtee klängen nach esoterischem Experiment, wurde eines Besseren belehrt. Es schmeckte nach purer Nordsee, Tiefe und einer Prise Fernweh.
Zungenbrecher zum Dahinschmelzen
Die Karte las sich wie ein lyrischer Test für Feinschmecker. Man muss die „Challans-Ente Stroganoff mit Ducca“ erst mal unfallfrei bestellen, bevor der erste Schluck Wein die Zunge lockert. Doch spätestens bei der „Ostfriesischen Kalbsbacke mit Tahiti-Vanille“ vergisst man vor lauter Seligkeit ohnehin seinen eigenen Namen.
Der heimliche Star des Abends war jedoch ein Gruß aus der Küche, der die gesamte Philosophie des Hauses zusammenfasste: Ein „Labskaus von der Ente“. Das ist Nordfriesland 2.0 – die tiefe Verbeugung vor der Tradition, aber mit einem frechen, modernen Augenzwinkern.
Die Köpfe hinter dem Genuss
Mitten im Trubel behielt Inhaber Mike Eichhorn eine Gelassenheit, die wohl nur die Nähe zum Deich hervorbringen kann. Gemeinsam mit Klaus-Peter Willhöft, dem strategischen Kopf hinter dem Schleswig-Holstein Gourmet Festival, wurde deutlich, warum dieses Event seit fast vier Jahrzehnten eine Institution ist. Es geht nicht um steife Servietten, sondern um Begegnungen.
Willhöft erklärte uns, dass das Festival den Norden kulinarisch wachgeküsst hat, und Mike Eichhorn bewies, dass man ein Gourmet-Spektakel mit derselben Herzlichkeit meistern kann, mit der man morgens die Brötchen serviert.
Anhalten lohnt sich!
Zwei Tage im Eichhorn’s haben gezeigt: Nordfriesland ist nicht nur die Wartehalle für die Insel. Es ist ein Ort für Genießer, die das Echte suchen. Wer das nächste Mal Richtung Norden fährt: Haltet an bei Edyta und Mike. Probiert den Saibling in Sake-Beurre-Blanc und lasst euch von der nordfriesischen Ruhe anstecken.

