Neues vom größten Parkplatz der Insel: Warum Bahn-Frust im „Ciao Sylt“ jetzt nach Piroggen schmeckt
Neues vom größten Parkplatz der Insel: Warum Bahn-Frust im „Ciao Sylt“ jetzt nach Piroggen schmeckt

 

Die Deutsche Bahn hat auf Sylt einen echten Fanclub. Er besteht aus genau zwei Mitgliedern: Paula und Pascal. Die beiden haben den Imbiss an der Westerländer Autoverladung übernommen – und freuen sich über jede rote Anzeige auf der Anzeigetafel. Ein Besuch am neuen Hotspot für Gestrandete, Genießer und Laptop-Arbeiter.

Wenn der Hindenburgdamm mal wieder dicht ist und sich die Autos bis zum Kreisverkehr stapeln, sinkt die Laune der Inselbesucher traditionell auf den Gefrierpunkt. Doch wo des einen Leid beginnt, fängt für Pascal und Paula das Geschäft erst richtig an. Die beiden frischgebackenen Gastronomen haben das Zepter am Kiosk der Autoverladung in die Hand genommen und ihm den klangvollen Namen „Ciao Sylt“ verpasst.

Im SYLT1-Interview zeigt sich Pascal erfrischend ehrlich: „Ich find es immer schön, dass wir uns auf die Deutsche Bahn in Richtung der Verspätungen verlassen können. Wir sind wohl die Einzigen auf der Insel, die sich freuen, wenn nichts mehr geht.“ Es ist die wohl sympathischste Art, aus der Not der anderen eine geschäftliche Tugend zu machen.

 

Raus aus der Salami-Tristesse, rein in den Lachs-Bagel

Wer bei einem Bahnhofskiosk an traurige Bockwürstchen im Wasserbad und labberige Salami-Brötchen mit Alibi-Gurke denkt, hat die Rechnung ohne die beiden gemacht. Pascal bringt stattliche zwölf Jahre Gastro-Erfahrung mit (unter anderem im feinen „Strandhafer“) und will hier kulinarisch ordentlich aufräumen.

Die Devise lautet: Weg vom lieblosen Bahnhofs-Einerlei! Geplant sind kreative Rührei-Ecken, ordentlich belegte Bagels und schon bald eine richtige kleine warme Küche. Und weil wir hier schließlich auf Sylt sind, laufen bereits die Verhandlungen mit der Sansibar für frische Brötchen und den passenden Champagner-Lieferanten. Bald soll es also kleine „Bottle Packs“ Edeltropfen geben, um das Warten auf den Autozug etwas prickelnder zu gestalten. Die ganz besondere Geheimwaffe liegt aber in polnischer Hand: Paula und ihre Mutter tüfteln bereits an hausgemachten Piroggen. Wenn die Züge also mal wieder extra lange stehen, rollt man am Ende glücklich und satt als kleine Pirogge zurück aufs Festland.

Sylts größter Coworking-Space (mit 5G-Schutzschild)

Das eigentliche Highlight für alle, die in Reihe eins oder zwei im Auto feststecken, ist jedoch unsichtbar: Das „Ciao Sylt“ bietet ein mörderisch gutes, freies WLAN. Und weil man auf der Insel ja auf alles vorbereitet sein muss, gibt es einen Fallback-Router, der per Satellit einspringt, sollte das Festnetz mal wieder streiken.

Wer also im Auto brutzelt, kann hier ganz entspannt seinen Laptop aufklappen, sich bei Paula und Pascal einen ordentlichen Kaffee holen und dem Chef per Video-Call live aus der Warteschlange winken. Ein waschechter Coworking-Space, nur eben mit Abgasen, Möwengeschrei und besserem Essen als im heimischen Büro.

Fazit: Paula und Pascal werfen aktuell gut 15 Stunden am Tag all ihre Energie in das „Ciao Sylt“ und haben den etwas tristen Wartebereich deutlich liebevoller gestaltet. Wer also das nächste Mal in Westerland strandet, sollte die Zeit nutzen, um sich bei den beiden den Frust wegzusnacken. Schließlich wartet es sich mit hausgemachten Spezialitäten und stabilem Internet doch gleich viel entspannter.

Das komplette, sehr unterhaltsame Interview von SYLT1 mit Pascal und Paula – und einem sichtlich hungrigen Kameramann – sehen Sie oben im Video!D