Ein Mann. Eine Insel. Und diesmal ohne Leiche im Hintergrund.
Sylt hat Strände. Sylt hat Austern. Sylt hat Strandkörbe zu Preisen, bei denen man kurz schluckt. Und Sylt hat Oliver Wnuk.
Nicht als Gast. Nicht als Durchreisenden. Als festen Bestandteil der Inselkulisse – regelmäßig, verlässlich und für „Nord Nord Mord" vor der Kamera. Man könnte fast sagen: Er gehört dazu. Wie der Leuchtturm. Nur beweglicher und mit mehr Text.
Und genau dieser Oliver Wnuk – der Sylt-erprobte, inselgetestete, ZDF-zertifizierte – steht am Dienstag, den 5. Mai um 20 Uhr im Alten Kursaal am Westerländer Rathausplatz auf der Bühne.
Diesmal allerdings ohne Mordfall. Was für alle Beteiligten entspannter sein dürfte.
Die Rolle seines Lebens: er selbst
Als Kommissar Sönke Hansen kennen ihn viele. Als jemanden, der auf Sylt Verbrechen löst, Möwen ignoriert und trotzdem gut aussieht, kennen ihn noch mehr. Aber als Oliver Wnuk, Mensch, Grübler, Geschichtenerzähler – das ist neu.
Sein Programm trägt den Titel „Wnuk denkt laut und liest was vor", und man muss diese Schlichtheit wirklich würdigen. Kein „Eine Reise zu sich selbst". Kein „Zwischen Himmel und Herz". Einfach: Ich denke. Ich lese. Ihr hört zu.
So muss das sein.
Was er verspricht – und warum man ihm glaubt
Wnuk nennt den Abend selbst eine „biographisch eingetunkte Show". Das ist eine Formulierung, für die man ihn entweder lieben oder verwirrt anschauen kann. Beides ist vermutlich beabsichtigt.
Inhaltlich geht es um das, was das Leben so mitbringt, wenn man nicht aufpasst: Liebe, Zweifel, Familienkrach, Midlife-Murks – und Ohrenschmalz. Ja, auch das. Wer Ohrenschmalz in ein Bühnenprogramm schreibt und dabei nicht das Publikum verliert, hat literarisches Talent. Oder sehr geduldige Zuhörer. Wahrscheinlich beides.
Dazwischen: Texte übers Aufstehen, wenn man eigentlich liegen bleiben möchte. Übers Loslassen, obwohl man eigentlich festhalten will. Und übers Lächeln, selbst wenn es sich anfühlt wie körperliche Arbeit.
Kurzum: ein Abend über das Leben. Nicht das schöne, hochglanzpolierte Sylter Hochsaisonleben – sondern das echte. Mit Kratzern, Kanten und gelegentlichem Ohrenschmalz.
Warum ausgerechnet Sylt?
Das fragt man sich kurz. Und dann fällt einem ein: Er ist ja sowieso hier.
Zwischen zwei Drehtagen, zwei Sylter Winden und mindestens einem guten Friesennerz stellt sich Oliver Wnuk also auf eine Bühne und macht das, was Schauspieler selten tun – er spielt sich selbst. Ohne Drehbuch. Ohne Regie. Ohne ZDF im Rücken.
Das ist entweder sehr mutig oder sehr entspannt. Vermutlich auch beides.
Karten gibt es bei allen Sylter Vorverkaufsstellen für 30 Euro, an der Abendkasse für 32 Euro sowie online unter www.insel-sylt.de.
Beginn: 20 Uhr. Einlass ab 19:30 Uhr.
Wer pünktlich kommt, erlebt einen Schauspieler, der mal kurz aufhört zu spielen. Das soll sich lohnen. Und der Ohrenschmalz kommt bestimmt auch noch.
Foto: Steffen Böttcher

