Sylt hat Pfingsten überlebt. Das ist die gute Nachricht. Die ausführlichere folgt.

An der Hörnumer Südspitze pflügten beim Beach Polo World Cup edle Vierbeiner den Sand um, Hattricks wurden gefeiert, die Kulisse stimmte. Polo ist die Sportart bei der das Publikum genauso viel Aufwand in die Erscheinung steckt wie die Spieler in das Spiel — und auf Sylt funktioniert das erwartungsgemäß sehr gut.

In Keitum zeitgleich: stiller Luxus. Saxophon, Champagner, grüne Smoothies. Wer beides kombiniert hat, bewies entweder eine sehr offene Haltung gegenüber Geschmackskombinationen oder schlicht das notwendige Budget um sich keine Gedanken darüber machen zu müssen.

Kampen wiederum erfüllte seine Rolle mit der Verlässlichkeit eines gut geölten Mechanismus. Sportwagen standen auf der Whiskymeile — nicht geparkt, positioniert — und erinnerten die Fußgänger freundlich daran was sechs Stellen auf einem Preisschild bedeuten. Die Botschaft kam an. Sie kommt immer an.

 

Das schönste Pfingstbild lieferte Archsum. Beim Ringreiten, einer friesischen Tradition seit 1861, zielten Reiter im Galopp auf kleine Messingringe. Teepunsch und Bowle flankierten das Geschehen mit der Ernsthaftigkeit die ein solches Ritual verdient. Hier war Sylt so wie es am tiefsten ist — laut genug um lebendig zu sein, leise genug um sich selbst zu gehören.

Die Nacht gehörte dann einer anderen Disziplin. Rund um die Kampener Clubs Pony und Sturmhaube entwickelte sich das Geschehen in Richtungen die mit Polo nichts gemein hatten außer dem gelegentlichen Körperkontakt. Die Polizei registrierte Rangeleien, Ruhestörungen in beachtlicher Stückzahl und eine Dichte an kleineren Delikten die das Wochenende aus Sicht der Ordnungshüter zuverlässig beschäftigt hielt.

Das Fazit der Beamten klang am Ende fast philosophisch: Der eine große spektakuläre Fall blieb aus. Dafür war die Gleichmäßigkeit der kleinen bemerkenswert.

Ein ausbalanciertes Pfingsten also. Polo und Pugilismus. Ringreiten und Rempler. Champagner und Teepunsch. Die Insel hatte für jeden etwas bereit — und für einige davon etwas zu viel.