Starkregen als Stresstest: Sylter Entwässerungssystem am Limit
Starkregen als Stresstest: Sylter Entwässerungssystem am Limit

Starkregen als Stresstest: Sylter Entwässerungssystem am Limit

Die jüngsten Starkregenereignisse im Oktober und November haben die Schwachstellen des Entwässerungssystems auf Sylt schonungslos offengelegt: Überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und durchnässte Wiesen waren die Folge.

Das Problembewusstsein existiert seit Langem. Gritje Stöver erinnert sich an die Zeit der früheren Bürgermeisterin Petra Reiber, in der kritische Entscheidungen zur Entlastung noch unkompliziert getroffen wurden. Seither wurden zwar Millionenbeträge für die Entwässerung veranschlagt, Empfehlungen (etwa durch Manfred Uekermann, damals Ortsbeiratsvorsitzender von Tinnum) ausgesprochen, Gelder in den Fusionsvertrag aufgenommen und Mittel vom Deich- und Sielverband bereitgestellt. Dennoch ist das essenzielle hydraulische Gutachten für den Nösse-Koog, das eine nachhaltige Lösung liefern sollte, seitens der Gemeinde Sylt über bloße Vorentwürfe nicht hinausgekommen.

Stöver stellt klar: „Die Insel wird nicht unmittelbar überflutet, aber die fehlende Abflussmöglichkeit führt zu steigenden Grundwasserständen. Das Wasser staut sich nicht nur auf den Feldern, sondern dringt auch in die Kellerräume der Häuser ein.“ Das Hauptdefizit liegt in der jahrelangen Untätigkeit trotz vorliegender Empfehlungen und Zusagen. „Irgendwann ist Sand ins Getriebe geraten, und diesen Stillstand müssen wir jetzt dringend überwinden“, resümiert Stöver.

Manfred Uekermann, heute Landtagsabgeordneter, identifiziert den zentralen Engpass des gesamten Systems: Kurz vor dem Wattenmeer laufen alle Stränge zusammen. Das aus Westerland abgepumpte Niederschlagswasser, das Wasser aus Sylt-Ost und das gereinigte Abwasser aus dem Schonungsteich treffen aufeinander. Bei Hochwasser kann die Schleuse nicht öffnen, was zu einem massiven Rückstau führt. „Das schwächste Glied in der Kette gibt nach, was wir aktuell immer häufiger erleben“, erklärt Uekermann. Die Konsequenzen sind überflutete landwirtschaftliche Areale und erhöhte Grundwasserstände, die Infrastruktur und Gebäude beschädigen.

🤝 Geschlossene Front für schnelle Lösungen

Angesichts dieser prekären Lage haben sich vier CDU-Vertreter aus den betroffenen Inselteilen zusammengeschlossen: Helge Schicke (Westerland), Manfred Uekermann (Tinnum), Gritje Stöver (Keitum und Archsum) sowie Ines Dreisow (Morsum). Nach Gesprächen mit Betroffenen und einer Analyse der Situation vor Ort haben sie konkrete Handlungsoptionen erarbeitet. Helge Schicke betont: „Die Bürger erwarten zu Recht, dass wir aktiv werden. Es geht um den Schutz unserer Flächen, die Sicherheit und die Intaktheit der Infrastruktur.“

Die CDU-Fraktion legt daher der Gemeindevertretung am 20. November einen Antrag vor, der verbindliche Sofortmaßnahmen zur Entwässerung des Nösse-Kooges fordert. Dazu zählen:

  • Die Wiederherstellung des Rantum Beckens als Polderfläche zur kurzfristigen Aufnahme und Speicherung von Oberflächenwasser bei kritischen Wetterlagen, wenn die Schleusen geschlossen bleiben müssen.

  • Die Freilegung von Gräben und Überläufen.

  • Der Austausch veralteter und unterdimensionierter Rohrleitungen.

  • Die Sicherstellung der regelmäßigen Wartung von Revisionsschächten.

Zudem muss das längst überfällige hydraulische Gutachten finalisiert werden, ergänzt durch einen klaren Umsetzungsplan samt Verantwortlichkeiten und Zeitrahmen. Ines Dreisow unterstreicht: „Wir müssen den Rückstau in die Ortslagen und auf die landwirtschaftlichen Gebiete unverzüglich verhindern.“ Manfred Uekermann bekräftigt die Dringlichkeit, damit die Insel für künftige Extremwetterlagen gewappnet ist und vermeidbare Schäden ausbleiben.

Die CDU-Vertreter appellieren an alle Fraktionen, eine gemeinsame, tragfähige Entscheidung zu treffen, um die Entwässerung im Nösse-Koog nach Jahren des Zögerns endlich zukunftssicher zu gestalten.