9. Vogelkolloquium im Sylter Erlebniszentrum Naturgewalten beendet



Vogelforschung im Wattenmeer im Überblick und im Detail – viele neue Erkenntnisse auf dem 9. Deutschen See- und Küstenvogelkolloquium in List auf Sylt

Mehr als 170 Vogelkundler, Forscher und Naturschützer haben sich am Wochenende auf dem 9. Deutschen See- und Küstenvogelkolloquium in List auf Sylt über die Entwicklung der Vögel in den Wattenmeer-Nationalparken und in verschiedenen Küsten-Schutzgebieten ausgetauscht. In über 20 Vorträgen haben vor allem auch junge Referentinnen und Referenten ihre Forschungsergebnisse vorgestellt. „Die Diskussionen über die verschiedenen Forschungsergebnisse, Einflüsse und Gefährdungen sind unabdingbar, um geeignete Schutzkonzepte für die Vögel entwickeln zu können“, erklärte Bernd Hälterlein, Vogelexperte der Nationalparkverwaltung.

Zugvögel SyltVon 26 Brutvogelarten und 35 Rastvogelarten beherbergen die Wattenmeer-Nationalparke bedeutende Bestandsanteile. Bei fast der Hälfte der hier brütenden und rastenden Wat- und Wasservögel sind die Bestände seit Jahren rückläufig. Die Gründe dafür sind sehr komplexer Natur und reichen bis hin zu den direkten und indirekten Folgen des Klimawandels mit Veränderungen in der Fischfauna der Nordsee, der Überflutungshäufigkeit der Salzwiesen und der Trockenfalldauer der Wattflächen – Faktoren, die allein durch Schutzmaßnahmen in den Wattenmeer-Nationalparken kaum zu beeinflussen sind.

Während einzelne Arten wie die Löffler seit der Jahrtausendwende neu im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer brüten, haben Heringsmöwen große Probleme, ihre Jungen aufzuziehen, weil sie ihre Nahrung mittlerweile zum großen Teil im Binnenland suchen müssen.

Im Frühjahr und im Herbst nehmen die Rastbestände der arktischen Watvögel wie Knutts, Alpenstrandläufer und Pfuhlschnepfen besonders im schleswig-holsteinischen Wattenmeer seit Jahrzenten rapide ab. Auffällig sind zum Beispiel die afro-sibirischen Knutts, die nur in einem kleinen Bereich im Dithmarscher Watt vorkommen, denn nur hier finden sie baltische Plattmuscheln in passender Größe und in ausreichender Zahl als Nahrung. Grönländisch-kanadische Knutts halten sich dagegen zeitgleich auch im nordfriesischen Wattenmeer auf, wo sie sich hauptsächlich von Herzmuscheln und Wattschnecken ernähren.

Der plötzliche starke Frost im Februar 2012 hat vor allem Austernfischern – aus Schleswig-Holstein und auch aus Nordnorwegen – zu schaffen gemacht. Mehr als 1000 tote Tiere wurden gefunden, über 60 Prozent davon Jungvögel.

Für durchschnittlich 165.000 Brandgänse ist das Dithmarscher Wattenmeer auch weiterhin das entscheidende Rückzugsgebiet, wenn sie im Juli und August ihr Gefieder wechseln. Die großen Schwankungen der Zählergebnisse in Schleswig-Holstein während der letzten Jahre haben ihre Ursache vermutlich darin, dass zehntausende Vögel zum Mausern in die Niederlande ausgewichen sind. Die Gründe dafür sind unklar.

Unterschiede in der Entwicklung der verschiedenen Vogelarten und Bestandsschwankungen sind in einem bestimmten Rahmen normal. Harte Winter, häufige Überflutungen im Sommer, unterschiedliche Nahrungsverfügbarkeit und viele weitere Faktoren können den Vögeln in einzelnen Jahren zusetzen. Bedenklich wird es jedoch, wenn – teilweise vermutlich als Folge des Klimawandels – über viele Jahre hinweg Rastvogelarten wie Knutts und Alpenstrandläufer deutlich weniger werden und wenn Brutvogelarten wie Austernfischer über eine lange Zeit hinweg kaum noch Bruterfolg haben und die Bestände in der Folge drastisch abnehmen.

Die Erforschung der Lebensbedingungen der Vögel und die Dauerbeobachtung (Monitoring) sind eine unabdingbare Voraussetzung, um einen ausreichenden Schutz sicherstellen zu können. Wirksamer Schutz lässt sich oft nur in internationaler oder gar globaler Kooperation regeln. Doch zum Beispiel beim Schutz der letzten mitteleuropäischen Lachseeschwalben im Vorland des Neufelderkooges an der Elbmündung zeigt der Schutz vor Ort jetzt erste Erfolge.

Der beste Schutz für die Vögel – und nicht nur für sie, sondern für alle Tiere – ist der Schutz ihres Lebensraumes. Sie brauchen gerade bei der anhaltenden Zunahme globaler Einflüsse Ruhe und Ungestörtheit an den Brut- und Rastplätzen. Deshalb ist auch in den deutschen Wattenmeer-Nationalparken das Motto „Natur Natur sein lassen“ so wichtig.

Das 9. Deutsche See- und Küstenvogelkolloquium in List wurde von der Arbeitsgemeinschaft Seevogelschutz veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft, dem Erlebniszentrum Naturgewalten und der Nationalparkverwaltung. Die Arbeitsgemeinschaft ist ein seit 1982 bestehender Zusammenschluss aller Vereine und Institutionen, die für den Schutz und die Erforschung von Küstenvögeln an der deutschen Nord- und Ostsee amtlich oder ehrenamtlich tätig sind. Seit 1996 organisiert sie alle zwei Jahre das Deutsche See- und Küstenvogelkolloquium. Das nächste Kolloquium findet im Herbst 2014 an der niedersächsischen Nordseeküste statt.


Übersichten zu allen Vorträgen des Kolloquiums 2012 sind im Internet unter http://www.nationalpark-wattenmeer.de/sh/service/publikationen/1930_9-deutsches-see-und-kuestenvogelkolloqium zu finden, Bestandstrends unter www.waddensea-secretariat.org/TMAP/9-birds.html.

 

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