Wer am Wochenende auf der Suche nach echtem Fußball-Drama war, musste nicht in die Bundesliga schauen – ein Besuch am Tinnumer Sportzentrum reichte völlig aus. In einer Partie, die das Wort „vogelwild“ neu definierte, lieferte die D-Jugend 2 des Team Sylt II (7er) ein unvergessliches Spektakel ab. Nach einem schier aussichtslosen Rückstand bewiesen die Nachwuchskicker eine unglaubliche Moral und rangen die SG Friedrichstadt-Seeth/Drage in einem historischen Schlagabtausch mit 8:6 nieder.
Ein eiskalter Fehlstart und ein plötzlicher Platzverweis
Von einem Heimsieg war in den ersten Minuten absolut nichts zu spüren. Die Gäste vom Festland legten los wie die Feuerwehr und nutzten jede Lücke in der Sylter Abwehr gnadenlos aus. Bereits in der 5. Minute fiel das 0:1, bevor die Nummer 5 der Gäste mit einem schnellen Doppelpack (14., 19.) auf ein deutliches 0:3 stellte. Die Hausherren wirkten zu diesem Zeitpunkt völlig überrumpelt.
Doch in der 21. Minute wendete sich das Blatt abrupt: Nach einem harten Einsteigen sah ausgerechnet der bis dahin gefährlichste Angreifer der Gäste die Rote Karte. Dieser überraschende Feldverweis veränderte die Statik des Spiels komplett und hauchte dem Team Sylt neues Leben ein.
Schnelle Hoffnung und der nächste Nackenschlag
Aus der Pause (gespielt wurde zweimal 30 Minuten) kamen die Insulaner wie verwandelt. Die zweite Hälfte war kaum angepfiffen, da klingelte es bereits doppelt im Kasten der Gäste: Leonis Salihi (31.) und Ben Milow Braun (31.) sorgten mit einem atemberaubenden Blitz-Doppelschlag für den 2:3-Anschluss. Die Überzahl machte sich sofort bemerkbar.
Wer nun aber dachte, die Festland-Kicker würden einbrechen, sah sich getäuscht. Trotz Unterzahl nutzten sie die nun sehr offensive Ausrichtung der Sylter für gefährliche Konter. Die Nummer 7 der Gäste schlug doppelt zu (38., 40.) und stellte den alten Drei-Tore-Rückstand wieder her. Beim Stand von 2:5 schien die Partie für viele Zuschauer endgültig gelaufen zu sein.
Die unglaubliche Tore-Show des Ben Milow Braun
Doch die Rechnung wurde ohne den Sylter Kampfgeist und den kräftezehrenden Kunstrasen gemacht. Das ständige Laufen in Unterzahl saugte den Gästen spürbar die Energie aus den Beinen – und nun schlug die Stunde des Ben Milow Braun.
In einer unfassbaren Einzel-Show drückte er den Ball erst zum 3:5 über die Linie (42.), verwandelte nur zwei Minuten später eiskalt einen fälligen Strafstoß zum 4:5 (44.) und komplettierte in der 46. Minute seinen Hattrick zum viel umjubelten 5:5-Ausgleich.
Das Drama war jedoch noch nicht vorbei. Mit einem letzten Kraftakt ging die SG durch ihren starken Siebener in der 50. Minute erneut mit 5:6 in Führung. Doch Sylt wollte diesen Sieg jetzt um jeden Preis. Angetrieben von der puren Leidenschaft drehte abermals Ben Milow Braun mit seinen Treffern Nummer fünf (51., 6:6) und Nummer sechs (55., 7:6) das Spiel endgültig auf links. Den Schlusspunkt unter diesen völlig verrückten Fußballnachmittag setzte schließlich Liam Dalton Raffelhüschen, der in der 60. Minute zum 8:6-Endstand einnetzte.
Sprung auf Platz vier
Der Lohn für diese emotionale Achterbahnfahrt zeigt sich in der Tabelle. Durch den wichtigen Heimerfolg klettert das Team Sylt II mit 10 Punkten auf einen starken vierten Rang und zieht dabei gleich an zwei Konkurrenten vorbei – darunter auch der geschlagene Gast aus Friedrichstadt, der auf Platz sechs (9 Punkte) abrutscht. Das Sylter Torverhältnis von 30:31 ist zwar noch leicht negativ, doch wer seinen Fans ein derart packendes Spektakel bietet, dem verzeiht man auf der Insel jeden defensiven Wackler mit einem breiten Lächeln.

