Über hundert Orte, eine ungewöhnliche Erzählstimme und ein Druckfehler, der Sammlerherzen höherschlagen lässt: Mit „Söl. Ich. Ein Geständnis" von Alexander Lenz ist seit dieser Woche eine Neuerscheinung im Inselhandel, die aus der Masse der Sylt-Literatur heraussticht.
Wer erzählt eigentlich am besten von Sylt? Die Reiseführer? Die Bildbände? Die Feuilletons, die jedes Jahr aufs Neue über die Insel schreiben? Alexander Lenz hat auf diese Frage eine verblüffend einfache Antwort gefunden: die Insel selbst. In seinem neuen Buch überlässt der gebürtige Sylter seiner Heimat das Wort — und die redet, wie man es von ihr erwarten darf: mal rau, mal leise, mal mit trockenem Humor, mal mit einer Schwermut, die nach Novemberwind schmeckt.
Eine Insel in der Ich-Form
Das Konzept trägt durch alle 99 Kapitel: Sylt spricht in der Ich-Form über seine Orte, seine Geschöpfe, seine Eigenheiten. Die Wanderdünen in List nennt die Insel ihre „langsamsten und beharrlichsten Geschöpfe", über die Friesen heißt es augenzwinkernd, sie seien „schweigsam und stur" — und passten deshalb gut zu ihr. Neben den Klassikern wie dem Ellenbogen oder den Leuchttürmen von List finden sich viele Plätze, die selbst langjährige Insel-Kenner überraschen dürften: das Möwen-Ballett, die Klöntür, Mellhörn, der Bastianplatz. Am Ende jedes Kapitels gibt es einen knappen, praktischen Hinweis, was man vor Ort erleben kann — inklusive Adresse.
Geschrieben von einem, der bleiben musste, wenn andere abreisten
Lenz erzählt aus einer Perspektive, die kein zugereister Autor haben kann. Im Vorwort beschreibt er eine Sylter Kindheit, in der im Sommer das eigene Kinderzimmer für die Feriengäste geräumt wurde. Statt Instagram gab es den Strand nach der Schule, Angeln am Munkmarscher Hafen, Muschelsammeln am Ellenbogen mit tauben Fingern — und diesen Geruch aus Salz, Tang und nasser Erde, den man nie wieder loswird. Lange habe er gezögert, über seine Heimat zu schreiben, bekennt Lenz. Herausgekommen ist kein Hochglanzporträt, sondern — der Titel sagt es — ein Geständnis.
Erstauflage mit Sammlerwert
Für Gesprächsstoff sorgt derweil ein Detail, das so gar nicht geplant war: In die erste Auflage hat sich ein Druckfehler geschlichen. Welcher genau, sei hier nicht verraten — nur so viel: Er passt zu diesem Buch wie die Möwe zum Fischbrötchen. Der Söl Verlag macht aus der Panne kurzerhand eine Tugend und adelt die Erstausgabe zur Limited Edition. Künftige Auflagen werden ohne den Fehler erscheinen; wer jetzt kauft, sichert sich also ein Original mit Geschichte.
Gestaltet ist das Buch mit viel Liebe zum Detail: Das Cover zeichnete Lotte Dänner mit Bleistift — Hauptdarsteller ist, standesgemäß, ein Schaf. Die Fotografien und Illustrationen im Innenteil stammen unter anderem von Nick Bosch.
Wo es das Buch gibt
„Söl. Ich. Ein Geständnis" umfasst 248 Seiten im DIN-A5-Format und kostet 24,90 Euro. Erhältlich ist es derzeit an vier Stellen auf der Insel: bei Abbys in Rantum, bei Modis in Kampen, bei AFJ in Keitum sowie am Kiosk an der Autoverladung bei Pascal. Weitere Verkaufsstellen sollen in den kommenden Tagen hinzukommen. Alle Vorbestellungen wurden bereits ausgeliefert.
Alexander Lenz: „Söl. Ich. Ein Geständnis", Söl Verlag 2026, 248 Seiten, DIN A5, 24,90 €, ISBN 978-3-9825883-8-4.
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