Über 600 Motorräder auf dem jährlich stattfindenden Harley-Treffen auf Sylt sind zu sehen und mit gierigem Blick zu erhaschen.

Sensationell! – Man glaubt es kaum.

Nicht einmal einen Kilometer von unserem Friesenhaus entfernt, erreicht man die gediegene Promenade von Westerland. Dort treffen sich an diesem sonnig, teils bewölktem Samstag über 600 Mopeds aller Couleur.

Eine Augenweide sondergleichen.

Die vielen Fahrer mit ihren phantastisch bis rockig anmutenden Jacken fahren auf, rollen knatternd zur augenübergreifenden Aufstellung auf dem abgesperrten Gelände rechts und links neben der smarten Muschel, in der die unglaublichsten Aufführungen, Liedbeiträge und Sing-Song-Gruppen nebst Alleinunterhaltern und Solisten der Sangeskunst auftreten. Wichtig, na, am Bedeutungsvollsten sind natürlich heute die Harleyfahrer, bespickt mit Stiefeln, Hüten, Helmen und sogar Hörnern auf dem Kopf.

Jedem das Seine.

Sie alle nehmen Aufstellung auf der Promenade, um zwei Stunden später im donnernden Korso kreuz und quer über die Insel zu rauschen.

Bis Hörnum, dann nach List, von List bis Hast-du-nicht-gesehen.

Dieses infernalische Donnern vergisst du nicht.

Sie kommen nicht aus der Hölle, sie fahren nicht in selbige, aber sie veranstalten einen Höllenlärm.

Das darf heute so sein.

Das will jeder hören.

Das ist Kult.

Das ist etwas Wunderbares für die bereitstehenden Augen und Ohren.

Bald werden sie wieder verschwunden sein von der Insel – bis zum nächsten Jahr. Dem Enthusiasten wird dieser Event fehlen.

Dem Hund oder der selten zu sehenden Katze sicher nicht.

Ein tierisches Leben, aber auch ein Leben, welches mit viel Spaß gepaart ist.

Tage später.

Nun sind sie alle fort.

Wahrlich schade!

(So geschehen am 5.Juni 2010)

 

Eine 2.Geschichte - Böse Möwe Emma – die und das Aas

Am sauberen Strand von Westerland Hand in Hand zu gehen, durch die frischen Fluten des herantobenden Wassers füsslings zu lustwandeln, den feinkörnigen Sand niederzutreten, das habe ich nach der Ankunft wohl ein wenig übertrieben.

Westerland – Rantum per pedes und retour geschieht ein kleines Missgeschick.

Meine Füße haben mir postwendend die rote Karte gezeigt, von der unlängst darauf stattfindenden Fußball-WM einmal abzusehen.

Zwei Tage später.

Mit viel Sonnenschein und etwas Proviant im Ranzen schlendern wir gemach bis zur förderlich gebauten Holztreppe, die über den sandigen und spärlich bewachsenen Deich bis an den Strand führt. Neben diesem Aufgang sitzt zuweilen ein bunter Fasan, der des Morgens erschreckt bis schlaftrunken dreinschaut. Lediglich fünf Minuten dauert der Auf- und Abstieg. Unsere Augen fokussieren das, was vor uns liegt. Wasser. Sehr viel Wasser. Endlos scheinend Wasser bis zum Horizont, an dem sich Schiffe, Bojen, sonstige Markierungen oder private Segler und Motorboote zeigen.

Die Nordsee.

Der blanke Hans.

Wahnsinn, die brechenden Wellen, die feuchte Gischt, der stürmische Wind.

Ein wahrlich traumhafter Anblick. – Ehrlich.

Will man während seines Urlaubs auf Sylt so etwas missen?

Wir breiten eine Decke aus und machen es uns gemütlich. Mit zusammen gekniffenen Augen verfolgen wir das Arrangement von Wolken und einfallenden Sonnenstrahlen. Die Wellen rauschen. Ich rauche mir eine Zigarette, lutsche ein Bonbon. Menschen sitzen in ihren geliehenen Strandkörben und versuchen zu verbrennen. Zumindest einige von ihnen, die jeglicher Sonnenschutzcreme entsagt haben. Wenige Möwen kreisen über dem Strandabschnitt auf der Suche nach Fressbarem, denn Möwenfüttern wir hier nicht mehr geduldet und ist untersagt. Ein wahres Pech für die lach- und silbrigen Flattermänner.

Emma, ich nenne sie so, weil alle Möwen aussehen, als würden sie so heißen, sieht über ihren gelben Schnabel hinweg, lauert in den Dünen hinter mir und ich ahne nicht im Geringsten, was bald darauf geschehen wird. Diese Silbermöwe wird nie, ich betone, niemals mein Goldstück werden. Ich habe mir eine Trinkflasche zwischen die Knie geklemmt und halte mein Käsebrötchen fest in Händen. Nicht fest genug, denn als urplötzlich ein großer Schatten über mir erscheint, ist das Brötchen weg, mit dem Käse, der Butter darunter und als Fundament eine Vollkornscheibe Brot. Dumm gelaufen. Fünf Meter vor unserer Decke im Sand besitzt das Aas die Stirn, mein Brötchen genüsslich zu vertilgen. Ich hätte aufstehen können, sie fortjagen, aber ein von der Möwe angebissenes Brot nochmals in den Mund zu stecken... – und ich habe wahrlich nur ein einziges Mal abgebissen, das ist eigentlich das Ärgerliche an dieser ganzen Geschichte. Außerdem bin ich derart perplex, sage zu meine Frau:

„Hast du das gesehen, das gibt’s doch gar nicht, Scheiß die Wand an!“

Oder so ähnlich.

Eine viertel Stunde später hätte ich mich revanchieren können, denn Emma hat einen Seestern aufgetan, will ihn verspeisen, aber er ist in seiner Form nicht zu fressen. Zu sperrig, der Stern. Sie fummelt minutenlang daran herum, bis sie ihn endlich im ganzen durch den Schlund jagt. Aber ha! Er bleibt ihr gerade dort stecken. Es sieht aus, als hätte Emma einen Tennisball in der Speiseröhre sitzen. Meine Frau und ich lachen das Blaue vom Himmel herunter. Selbst die lugenden Wolken scheinen zu kichern.

„Hähä, das hast du nun davon, du blödes Flattervieh!“

Ich rufe lauthals über den Strand. Scheinbar sind wir die einzigen Sand- und Strandsitzer, die das sehen können, denn die Strandkorbbewohner sind schließlich noch mit dem Verbrennen beschäftigt. Nach einer Stunde, zwei weiteren Zigaretten und ein wenig Frust in der Seele torkeln wir gequält lachend durch den Sand zurück ins Friesenhaus. Dort angekommen, mache ich mir zuerst ein ordentliches Käsebrötchen. Ich habe die Küchentür und das Fenster fest verschlossen.

Man kann ja schließlich nie wissen ...

(So erlebt am 3. Juni 2010)

 

Sylt-Geschichten von Andreas Bauer

Wir haben Sie ja aufgerufen uns Ihre Sylt-Geschichte bis zum 16.Mai 2011 zu schicken und so an der Verlosung von 12 Sansibar Gutscheinen je 30,40 Euro teilzunehmen. Weitere Infos hier:http://www.sylt-tv.com/sylt-geschichte-sansibar-gutschein-65729.html

 


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