Nutzung öffentlicher Veranstaltungsräume auf Sylt für die Bürger

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Am 6.12.2014 hatte die Jugendinitiative Sylt zahlreiche Gäste zu Besuch Nach der Begrüßung durch die Vorsitzende Jali Schneider gab es von Gerd P. Werner, dem damaligen Initiator des Jugendzentrums Sylt, einige Worte zum Thema der Nutzung öffentlicher Räume für Bürger.

Aus Anlass der Feier des vierzigjährigen Jubiläums unseres Jugendzentrums Sylt, heute am 6.Dezember 2014, möchte ich meine Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass es uns gelungen ist, bisher 40 Jahre lang die Räume im 1. Stock des Geschwister-Scholl-Heims mit Leben zu erfüllen.
Ich möchte mir die Freiheit nehmen, einmal auf andere öffentliche Räumlichkeiten hinzuweisen, die eigentlich für Veranstaltungen aller Art der Sylter Bürger geplant und gebaut wurden, die aber aus verschiedensten Gründen nicht so erfolgreich gelaufen sind, wie man es erhofft hatte. Hier einige
typische Beispiele:

Erstens

Als der Schulverband Sylt gegründet wurde, war ich am Anfang Mitglied der SchulverbandsVersammlung
und dann auch gleich Mitglied des Bauausschusses des Schulverbands. Das
Schulzentrum war noch nicht errichtet, der Bauausschuß befasste sich mit der Planung. Die
Architekten hatten innerhalb ihrer Planung eine ganz hervorragende Idee, nämlich im
Eingangsbereich ein großes Veranstaltungs-Zentrum zu integrieren mit dem Namen Forum. Eine
hervorragende Bühne und ein großer arena-artiger Zuschauerraum begeisterten uns im Ausschuss.
Die Architekten und wir im Ausschuss hatten die Vorstellung, dass dort viele verschiedenartige
Veranstaltungen stattfinden könnten, wodurch dann gleichzeitig eine engere Annäherung und
Bindung der Bürger an das Schulzentrum bewerkstelligt würde.
Es tut mir in der Seele weh, zu sehen, wie diese Hoffnung bis heute nicht erfüllt wurde. Es gibt
zwar Veranstaltungen in diesem Forum, aber blitzwenige. Sie sind so selten, dass man sagen kann:
diese hervorragend geeignete Räumlichkeit liegt sozusagen brach. Architekten schaffen gute
Räumlichkeiten, der Verwaltung bleibt es überlassen, darin etwas zu planen. Man muss als Ergebnis wohl leider sagen, dass die normale Bürokratie überfordert ist, wenn es darum geht, Räume mit Leben zu erfüllen.

Zweitens

Anfang der 60er-Jahre wurde in Westerland eine sehr große Veranstaltungs-Halle geplant und mit
großen Zuschüssen von vielen Seiten gebaut. Das Projekt nannte sich Mehrzweckhalle, und ein
ganz wesentlicher Verwendungszweck sollte die Möglichkeit sein, große Veranstaltungen für die
Bürger zu machen. Aber sofort nach der Fertigstellung wurde das Gebäude ausschließlich genutzt
für die Lagerung und Reparatur von Strandkörben,und das ist leider so bis heute! Die ungenutzte
Bühne ist nach wie vor zu sehen...

Drittens

In Westerland gibt es ein altes Postgebäude, das noch vom Gründer der Deutschen Post, Stephan,
eingeweiht worden war. Als die Post in einen Neubau zog, erwarb die Stadt das Haus. Es sollte
abgerissen werden und auf dem Gelände dann ein fünfstöckiges Park-Hochhaus errichtet werden,
im Erdgeschoss mit einer großen Tankstelle. Hier im Zentrum der Stadt drohte ein enormer
Lärmpegel durch ständiges Aus- und Ein-parken.
Wir waren zuerst nur eine kleine radikale Minderheit von Bürgern, die diesen Störfaktor und den
Abriss der alten Post ablehnten. Wir veranstalteten Straßensperren, Demonstrationen, und einige
machten sogareine Hausbesetzung. Es gab dann eine polizeiliche Räumung des Hauses.
Wie ging es weiter? Aus der radikalen Minderheit wurde eine Mehrheit der Bürger, dann auch eine
Mehrheit in der Stadtvertretung. Mutig und etwas großspurig nannte man das Gebäude jetzt
"Bürgerhaus Alte Post". Aber es ist bis heute nie ein Bürgerhaus geworden, jedenfalls nicht von
Bürgern belebt. Es finden dort zwar Sitzungen von Fraktionen statt, und man kann mit Geld einen
Saal mieten für Vorträge und ähnliches, ansonsten gibt es da nur bürokratisches. Wieder so ein
Beispiel dafür, dass Bürokratie überfordert ist, wenn es darum geht, ein Bürgerhaus mit Leben
zu füllen.

Viertens

Der Friesensaal in KeitumEine Sylterin stiftete der Gemeinde ein ganzes Haus mit einem großen Veranstaltungs-Saal,
geeignet für Versammlungen aller Art. Das Haus in Keitum heißt Friesen-Saal. Viele Jahre lang
mussten die Sylter mit ansehen, dass dies Gebäude praktisch ungenutzt brach lag. Warum
eigentlich? Das ist schnell beantwortet: die Gastronomen und ihre Verbände klagten über die
angeblich illegale Konkurrenz, wenn bei Veranstaltungen belegte Brötchen oder Getränke verkauft
wurden.

Bei unseren Nachbarn im Norden, im Land Dänemark, gibt es solche Probleme nicht. Da jammern
keine Gastronomen über Bürgerhäuser mit kleiner Gastronomie. Die Dänen sind da offenbar mehr
sozial eingestellt als die Deutschen. Das könnte man einfach feststellen und zur Kenntnis nehmen,
man kann aber auch mal hingehen und es sich angucken, und sich ein Beispiel nehmen. Ich hatte
Gelegenheit zu einer Teilnahme an einer geplanten kleinen Rundreise durch Dänemark. Unter
fachkundiger Leitung wurden uns Bürgerhäuser, Freizeit- und Jugendzentren gezeigt und erläutert.
Ein Ort wie Westerland hätte in Dänemark etwa drei Jugendzentren, alle mit Leben erfüllt. Immer
gibt es einen kleinen privaten Trägerverein, immer gibt es gesicherte Finanzierung, 1/3 vom Staat,
1/3 von der örtlichen Gemeinde, das letzte Drittel vom Trägerverein, der dafür die Erlaubnis
einer kleinen Gastronomie hat. Kein nachbarlicher Gastwirt meckert darüber. So eine Besuchsreise
wäre eine gute Anregung für Sylter Kommunalpolitiker, die als Zuständige in Jugend- und SozialAusschüssen
tätig sind. Über Sylter SSW-Mitglieder kann man schnell Kontakte nach Dänemark
herstellen. Politiker sprechen in Sonntagsreden immer wieder darüber, dass unser Staat nicht verzichten kann
auf ehrenamtliche Tätigkeiten der Bürger. Aber bisher übersehen sie allzu oft, dass sie dazu auch
mal kleine Anstöße geben müssen, zur Gründung von kleinen privaten Vereinen, denen man dann
auch Kompetenzen überträgt.

 

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