Weihnachten + Silvester auf Sylt - Ihre Sylt-Geschichte

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Ein Stimmungsbild zum Jahreswechsel Sylt 2001/2002

Das Nachspiel der Orgel in der Nikolaikirche klingt wohltuend und beschaulich zugleich. Er lehnt sich zufrieden, heiter und entspannt in seiner Bank zurück und denkt über den bisherigen Tag nach, den letzten Tag im alten Jahr. Schon bislang war es ein schöner Tag gewesen. Wunderbares Frühstück in einem Hotel zwischen Bahnhof und Strand, ein Einkaufsbummel in der Friedrichstraße und ein Spaziergang über die Promenade. Es war ein kleines Jubiläum für ihn, der 10. Urlaub auf Sylt. Tags zuvor hatte es geschneit, der Strand wirkte stellenweise wie mit Puderzucker bedeckt und die Schneekristalle glitzerten in der späten Morgensonne. Das Wasser hatte nunmehr seinen Höhepunkt erreicht. Wunderschön für meinen privaten traditionellen Sylvesterlauf dachte er. Bei den geringen Minustemperaturen brauchte er noch nicht mal einen Schal.

Die Strecke nach Norden war abwechslungsreich. Sie führte an Reet gedeckten Häusern vorbei, durch einige Fenster schimmerten die erleuchteten Weihnachtsbäume. Weiter ging es durch kleine Nadelgehölze, eine Ehrenrunde um den Dorfteich von Wenningstedt schloss sich an, und nach einer guten halben Stunde hatte er Kampen erreicht. In weitem Bogen wandte er sich dem Strand zu, nun mehr in Richtung Süden. Das Wasser ging langsam zurück, kleine Sandbänke gaben ihre Konturen frei, und der Strand wurde wieder breiter. Das liebte er besonders – Dauerlauf auf festem Wattuntergrund so nahe wie möglich am Wasser entlang. Die treuen Westwinde streichelten ihn von der Seite, und die tiefstehende Sonne ließ sogar ein wenig Wärme verspüren. Das Rote Kliff tat sich auf seiner Backbordseite auf, etwas verwandelt durch den pulvrigen Schnee. Eine Läuferin kam ihm entgegen, wie üblich „guten Lauf und gutes Neues Jahr“. Kurz vor dem westlichtsten Hotel reizte es ihn zu einem kurzen Endspurt, nochmals so richtig die Lungen durchpusten. Wenig später waren Erholung und Entspannung pur im hoteleigenen Hallenbad mit Whirlpool angesagt. Anschließend schmeckte ein herbes norddeutsches Pils aus einer Bügelflasche. Er freute sich auf das abendliche Sylvestermenue, deswegen reichte jetzt ein Krabbenbrötchen aus. „Gehst Du auf Sylt auch Krabbeln essen?“ hatte ihn zuhause ein kleines Nachbarmädchen gefragt. Er beschloss, ihr ein Andenken mitzubringen.

Der Nachmittag hatte ihn nach Keitum geführt, das Watt war zugefroren, und die Eisschollen türmten sich zu fantasievollen Gebilden. Einige Kinder fuhren tatsächlich mit ihren Schlitten den Deich hinunter, besonders die Mädchen schrien vor Vergnügen.

***

Ein schöner Tag bisher. Wie hatte der Pfarrer gerade in seinen Abkündigungen gesagt: „Die Sammlung am Ausgang ist bestimmt für … , übrigens hat der liebe Gott nichts dagegen, wenn ihre letzten DM auf Sylt bleiben.“ Er ist dem Wunsch teilweise nachgekommen.

***

Die letzte Viertelstunde des alten Jahres hatte begonnen. Er näherte sich der Kurpromenade, eine Flasche Sekt in der Hand und das passende Glas dazu. Beides waren freundliche Geschenke des Hotels – nachträglich zu seinem Geburtstag. „Gehört zu unserem Standard“ hatte der Restaurantchef freundlich und ein wenig stolz gesagt. Genau wie der Standard des Sylvestermenues – einfach superieur. …

Erneut geht das Wasser langsam zurück. Die ersten Lichter steigen hoch. In dem wieder breiter werdenden Strand reflektieren sie wie Nordlichter über den Lofoten. Nach einem herzlichem Gruß zum Jahreswechsel heißt es: „Es darf getanzt werden!“ Über die hochkarätigen Lautsprecherboxen erklingt der Johann-Strauß-Walzer An der schönen blauen Donau. „Tanzen wir zusammen?“ fragt er eine Dame in seiner Nähe. „Gerne“ erwidert sie. Er stellt Flasche und Glas ab, Mütze und Mantel tun dem Tanzvergnügen keinen Abbruch. Es herrscht eine wunderbare Atmosphäre der vielfältigen Freude und Heiterkeit. Der Walzer wird in seiner vollen Länge gespielt. Nach einiger Zeit ziehen sich die ersten Tanzpaare zurück. Das Musikstück bewegt sich noch in einer ruhigen Phase – das abschließende Crescendo steht noch bevor. „Ich bewundere ihren Tanzstil und ihre Ausdauer“ komplementiert er. „Von nichts kommt ja wohl nichts“ gibt sie beziehungsreich zurück. Er sieht sie an. Natürlich, die Haare sind noch deutlich unter der Mütze zu erkennen – es ist die Läuferin vom Roten Kliff.

Die Flasche ist noch verschlossen, er macht sie auf und sie stoßen auf das Neue Jahr an.

***

Der Fernschnellzug, von 2 Dieselloks gezogen, nimmt Fahrt auf. Er sieht aus dem Fenster und wirft noch einmal einen Blick auf die Nikolaikirche. Was die wohl mit unseren restlichen DM machen werden?, fragt er sich. Er ist zuversichtlich. Im Nachbarabteil ertönt Musik aus einem kleinen Radio. Wiederum lehnt er sich behaglich zurück und denkt an den gestrigen ersten Tag im Neuen Jahr. Langschläferfrühstück, auf die Bedürfnisse der Gäste abgestimmt, ganz nach jedem Geschmack. Ein Gang zur Bank, um die ersten Euro abzuheben. Der freundliche Mitarbeiter überreicht jedem Kunden eine kleine Münze zur Erinnerung an den Währungswechsel. Kurz vor der Abreise begegnet er der Zimmerdame auf dem Flur. „Eine kleine Anerkennung für Sie“ sagte er. „Oh, meine ersten verdienten Euro“ gab sie nahezu andächtig zurück. Sie hatte sich gefreut und er sich auch.

 

Der Zug hat den Hindenburgdamm erreicht, das auflaufende Wasser glitzert in der Morgensonne. Im Süden zeichnen sich Konturen der benachbarten Insel Föhr ab. Er denkt an seine Tanzpartnerin – sie ist jetzt schon mit dem Auto unterwegs in ihre Landeshauptstadt am Rhein. Wahrscheinlich hat sie bereits den Elbtunnel erreicht. In wenigen Tagen werden sie beide wieder ihre Arbeit aufnehmen. Beide freuen sich jetzt schon wieder auf ihr jeweiliges berufliches Tun. Vielleicht werden sie sich einmal wieder begegnen, womöglich bei einem Wettkampf.

 

Aus dem Kofferradio ertönt die Stimme von Jennifer Rush Everyday is a gift something we should not miss, Jeder Tag ist ein Geschenk versäumen wir nicht, es anzunehmen. Ja das ist wirklich wahr, denkt er.

 

Der Bahnhof von Klanxbüll huscht vorbei, in ca. 6 Stunden wird er wieder seine schöne Stadt im westfälischen Mittelgebirge erreicht haben. Qualität vor Quantität denkt er, der Urlaub war nicht sehr lang, dafür aber umso schöner. Er weiß, er wird wiederkommen. Die Gleise verzweigen sich, dann säumen rote Ziegelhäuser einladend den Weg. Der Zug hat den Bahnhof von Niebüll erreicht.

Sylt-Geschichte von Ernst Göckus

Wir haben Sie ja aufgerufen uns Ihre Sylt-Geschichte bis zum 16.Mai 2011 zu schicken und so an der Verlosung von 12 Sansibar Gutscheinen je 30,40 Euro teilzunehmen. Weitere Infos hier:http://www.sylt-tv.com/sylt-geschichte-sansibar-gutschein-65729.html

 


 

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