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Die Betriebe sind immer einen Besuch wert in unserer Region

In Morsum auf Sylt steht ein altes reetgedecktes Friesenhaus – und jeder, der der Goldschmiedin Edda Raspé bei der Arbeit zu sehen möchte, ist dazu herzlich eingeladen. Neben Gold, Silber und edlen Steinen verwendet Edda Raspé auch Steine, die sie am Strand der Insel Sylt findet. „Ich finde sie beim Spazierengehen; ich muss mich nur entscheiden und auswählen“, sagt sie.

Kette aus Findlingen von Edda Raspé
Kette aus Findlingen von Edda Raspé

Zum Beispiel Granite, die eine Reise von vielen Millionen Jahren hinter sich haben – und auf den ersten Blick nach nicht viel aussehen. Aber: „…, wenn ich diese Steine dann schleife, geht es nicht darum sie zu verfremden – ein gutes Muster muss erkennbar werden.“ Dann offenbart (auch manch auf den ersten Blick profaner) Stein seine Schönheit – mal schimmert er dunkel, mal strahlen Einsprengsel rot. Oft greift Edda Raspé auf die Dinge aus der Natur zurück, auch das geht ganz einfach: „Ich nehme was ich sehe, was sich anbietet.“ Und weil es sich dabei um natürliche Stücke handelt, ist jeder Schmuck daraus ein Unikat. Nach der Inspiration - und dem Glück etwas Schönes zu finden beziehungsweise dies zu erkennen -, folgt das Handwerk. „Es gibt keine fertigen oder vorgestanzten Teile, alles wird einzeln angepasst, vorsichtig eingesetzt, sauber geschmirgelt“, sagt sie, am Ende fasst sie den Stein mit einem goldenen oder silbernen Rand ein. Edda Raspé stammt aus einer Goldschmiedefamilie und lebt und arbeitet seit 1970 auf Sylt. Die Holzdielen in der Manufaktur und im Atelier knarren verhalten, eine Lampe über dem Arbeitstisch leuchtet einen kleinen Bereich aus; dort, wo mit ihren Händen, dem Werkzeug und edel schimmerndem Gold die Schönheit aus der Natur ihre Vollendung findet. Die stetigen Arbeitsschritte lassen einen angenehmen Rhythmus entstehen, daraus wiederum folgt eine fast meditative Ruhe. www.edda-raspe.de

 

Auf dem Gelände der alten Nordstrander Ziegelei, 500 Meter hinter dem Seedeich, liegt die Süderhafen Töpferei; hier wird seit den 90er Jahren im Familienbetrieb Maaß Keramik hergestellt – Teller, Tassen, Töpfe. Und vieles mehr. Schon beim Gang in die Töpferstube wird klar, wie das Design der Stücke ist – schön und schlicht, nicht der Mode unterworfen, sondern klar und beständig wie Ebbe und Flut. An der Töpferscheibe sitzt Mitarbeiterin Regina Carstensen und zieht eine Form hoch. Was einfach aussieht, geschieht mit viel Erfahrung, Gefühl und Augenmaß. Nach dem blasenfreien Ausschlagen des Tons folgt die Arbeit an der Töpferscheibe; mit handwerklichem Geschick und Können gelingt es, den Ton konzentriert in Form zu bringen und dann, falls nötig mit Wasser („…das ist unser Klebstoff…“), zum Beispiel einen Henkel anzubringen. „Diese Stücke werden getrocknet und kommen dann bei 900 Grad zum ersten Mal in den Ofen. Nach diesem Schrühbrand können wir malen und glasieren“, sagt Regina Carstensen; die Farbe sieht noch blass aus, das strahlende Blau entsteht beim zweiten, 1290 Grad heißen, Glattbrand. „Die unterschiedlichen Farben mischen wir nach eigenem Rezept, sie sind frei von Blei und anderen Schwermetallen, lebensmittelecht und spülmaschinenfest“, sagt Marie Maaß. An Motiven finden sich Schafe und Schiffe, die alte Windmühle, Bilder der Landschaft und auch moderne Windkraftanlagen, letzteres nehmen beispielsweise Windenergiefirmen gern als Geschenk. Design und Motiv, die schlichte Eleganz, spiegeln die Landschaft auf Nordstrand wieder; „…wir arbeiten in unserer Werkstatt mit dem Ziel, die Vielfalt unserer Umgebung umzusetzen. Die Inspiration und Ideen dazu finden wir auf dem Deich, im Watt und an der See. Es ist Keramik im Stil unserer Landschaft“, ergänzt Helge Maaß. Vom ersten Handgriff beim Formen bis zum fertigen Produkt können auch acht Wochen vergehen. Und es ist alles Handarbeit, auch das Dekorieren erfolgt aus freier Hand. www.suederhafen-toepferei.de

 

Goldschmiede fertigen Schmuck, Silberschmiede stellen Gebrauchsgegenstände her – zum Beispiel Besteck oder Becher; so, wie Peter Möller es tut. In Meldorf befindet sich neben dem Dom die Domgoldschmiede und in dritter Generation arbeitet Meister Möller seit 50 Jahren als Künstler und als Kraftmensch gleichermaßen; denn einerseits gehört Kreativität zum Handwerk, andererseits tausende (bei einem Stück Besteck) oder zigtausende Hammerschläge für einen Becher. Wer mag, kann einen Blick in die Werkstatt werfen. Man folgt dem Geräusch eines leisen, aber steten Hämmerns. Dorthin, wo Peter Möller, Inhaber und sowohl Gold- als auch Silberschmied, heute einen Löffel… - nein, nicht hämmert, sondern treibt. An der Wand hängen Schablonen für Gabeln und zig Löffelvarianten, für Tortenheber, Kellen und Messer; Vorlagen für alles, was zu einem feinen Service aus Tafelsilber gehört. Nachdem er die Rohform aus dem Metall gesägt hat, treibt Peter Möller den Stiel in die Länge und die Laffe, den vorderen Schöpfteil des Löffels, in die Breite. Mit Augenmaß und mit zwei, drei Stunden Arbeit mit dem Hammer, immer wieder legt er die Schablone an. Wichtigstes Werkzeug sind die Hämmer, rund 50 Exemplare gehören zur Ausrüstung und ebenso wichtig sind die Einsteckeisen – davon hat er rund 200 Stück. Diese Eisen sind Unterlagen für die Treibarbeiten und werden in den Amboss gesteckt. Die Arbeitslampe lässt das Metall edel schimmern und die Werkstatt strahlt eine Ruhe aus. Die regelmäßigen Hammerschläge sind kein Krach, sondern haben in ihrer Beständigkeit etwas Beruhigendes. Dann wird die Laffe in eine Hohlform getrieben. Doch, sagt er, es gäbe noch Kunden, die sich ein solches Besteck leisten. Obwohl ein komplettes Tafelsilber eher eine Wertanlage als nur Haushaltsgegenstand ist. Aber: Zur Taufe oder Konfirmation fragen die Leute nach und natürlich zu Hochzeiten; dann, wenn es etwas Besonderes sein soll. www.domgoldschmiede.de

 

2011 kaufte der Keramiker Alfred Jordy das Herrenhaus Hoyerswort und fand seine Wirkungsstätte auf Eiderstedt. Der Hausherr zeigt die herrschaftlichen, schönen Räume und Säle von Hoyerswort. Im Café tickt die Standuhr neben einem Wandtableau aus Fliesen, natürlich von Jordy entworfen und hergestellt. Ihn selbst sieht man oft, auf dem Weg ins Café, neben der Tür im kleinen Laden sitzen und die Fliesen bemalen. „Den Westerhever Leuchtturm habe ich schon 1000 mal gemalt“, sagt er und greift konzentriert zum Pinsel, malt noch einen. Dann zeigt er, wie mit einer Art Schablone und Kohlenstaub das Motiv auf die Fliesen aufgetragen wird. Die eigentlichen Farben und Pigmente stehen wie in einem Tuschekasten auf dem Tisch, er trägt sie mit gekonnter Pinselführung auf, „…ihre Leuchtkraft bekommen sie später beim Brennen im Ofen.“ Ein sattes, schönes Rot sei kompliziert, sagt Jordy, da muss er mit viel Erfahrung mischen. Vor diesem eigentlichen, kreativsten und schönsten, Schritt der Fliesenmalerei schneidet Alfred Jordy die Rohlinge aus dem Ton, lässt sie in Ruhe trocknen und glasiert sie. Durch die Herstellung in Handarbeit und die lange Trockenschrumpfung, erklärt er, bekämen diese Fliesen einen eigenen Charme und strahlen eine gewisse Wärme aus. Doch Jordy ist nicht nur Handwerker, sondern auch Künstler: Im Haubarg, gelegen über den Hof, hängen weitere Fliesentableaus, die phantasievolle Blütenarrangements zeigen – mit Schmetterlingen und Vögeln. So ist es neben Handwerksarbeit auch Kunst, die sich mancher Kunde zum Beispiel in die Küche hängt. Und letztlich ist jedes Stück ein Unikat; auch die einzelne Fliese, die sich mancher Besucher als Andenken mitnehmen möchte. Mehr als hundert Motive bietet er an, und neue denkt er sich aus, wenn nicht gerade ein Blech Friesensterne ansteht. Oder der Leuchtturm. Der vor allem. www.hoyerswort.de

 

Schafe gehören zur Nordsee. Und mit ihnen die Wolle: „Früher wurde hier auf Föhr in fast jedem Haushalt gesponnen“, sagt Gaby Brandt – sie gehört zu den wenigen Leuten, die an der Küste noch heute die Wolle heimischer Tiere in Handarbeit zu Garn verarbeiten. So, wie es Tradition war an der Nordsee. „Mein Mann und ich haben vier Schafe“, sagt sie. Die Tiere stehen bei Brandts zu Hause in Utersum, die Wolle verkauft sie in ihrem Geschäft „Wollflur“ in Wyk. Einmal pro Jahr werden die Tiere geschoren. „Nach der Schur muss die Wolle sortiert und grob gereinigt werden“, erklärt sie, „…da zum Spinnen ein weicher, geschmeidiger Vlies benötigt wird, müssen wir viele Stunden Kämmen, bis die letzten Filzklumpen entwirrt sind.“ Nach dem Durchkämmen der Rohware bleiben bestenfalls acht Kilogramm verspinnbare Wolle übrig, berichtet Gaby Brandt. Dann kommt das Spinnrad zu Einsatz und surrt Stunde um Stunde: Angetrieben per Fuß und Pedal, dreht sich ein Schwungrad, das die Bewegung auf eine Spule – die Spindel – überträgt. Mit der Hand wird aus dem Vlies etwas Wolle entnommen, vorsichtig auseinandergezogen und zwischen Daumen und Zeigefinger im laufenden Betrieb auf die Spindel gezwirbelt. Von der Spule geht es dann auf die Haspel und von dort in eine milde Handwäsche. Im Laden in Wyk auf Föhr steht ein hölzernes Spinnrad, an dem Gaby und Klaus Brandt in langer Arbeit das Garn spinnen. „Die Leute schauen im Geschäft in der Wyker Wilhelmstraße gern zu und sind überrascht, dass es das heutzutage noch gibt“, berichtet Gaby Brandt. In den Körben liegen die Knäuel der naturfarbenen Föhrer Wolle und vielleicht reicht ein Winter-Urlaub ja aus, um sich ein Paar warme Socken oder eine Mütze zu stricken. Ihre Schafe, ein bisschen Texel, ein bisschen Milchschaf, dürfen übrigens am Leben bleiben; sie werden nur für die Schur gehalten. Schön ist das Bild der Schafe an der Nordsee, schick ist das, was Sie nun selbst draus machen können. www.wollflur.de

 

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